Keine Angst vor dem Ähmageddon
«Ich habe zu viele Ähms.» Das höre ich in meinen Auftrittstrainings regelmässig als Eigenfeedback. Nach hunderten analysierten Auftritten sage ich:
Ähm… nein. Falscher Gegner.
Wenn deine Ähms dein grösster Stress sind, kannst du dir ein Kommunikationstraining sparen. Denn diese Dinge verstehen die meisten falsch:
«Ähm» ist kein sprachlicher Abfall: Es signalisiert dem Gegenüber: ich bin noch nicht fertig. Das Ähm schützt deinen Redefluss und hindert Zuhörer daran, das Wort zu übernehmen, bevor du deinen Gedanken zu Ende gedacht hast.
«Ähm» ist kein Zeichen von Unsicherheit.: Klar, wird das manchmal so wahrgenommen. Aber Fülllaute entstehen, weil wir unter Zeitdruck das nächste Wort suchen. „Ähms“ sind in einem gesunden Hirn ein Zeichen, dass das Kontrollsystem funktioniert, zwischen dem Plan und der tatsächlichen Artikulation.
«Ähm» stört deine Zuhörer nicht: Im Gegenteil. Experimente zeigen: Ein «Ähm» vor einer komplexen Information hilft dem Zuhörer, schneller zu verarbeiten und sich Inhalte besser zu merken. Es funktioniert als kognitives Warnsignal.
Das Ziel ist nie null «Ähms»: Wer komplett ohne Fülllaute spricht, klingt nicht souverän. Sondern wie ein Navi. KI-Systeme bekommen heute künstliche Zögermarker eingebaut, damit sie menschlicher klingen. Das sagt alles.
Das Problem ist nicht das „Ähm“. Es ist das Zuviel davon. Wer zu viele produziert, hat meist keine klare Struktur im Kopf. Das Ähm ist das Symptom. Und die Wurzel können wir in einem Training sehr wohl anpacken.
Deshalb üben wir in Auftrittstrainings diese drei Dinge:
1️⃣ Denk in Abschnitten statt in Sätzen.
Wenn du weisst, was der Kern deines nächsten Punktes ist, findet dein Gehirn die Worte automatisch. Die Lücke entsteht nur, wenn du losläufst, ohne das Ziel zu kennen.
2️⃣ Mach einen Punkt. Und eine Pause.
Füllwörter häufen sich am Satzende, wenn wir den Absprung nicht schaffen. Beende deinen Gedanken, senke die Stimme. Gönn dir einen Pause. Du hast die volle Kontrolle über Zeit und Raum.
3️⃣ Plane die Übergänge.
Wir „ähmen“ oft an den Schnittstellen zwischen zwei Argumenten. Nicht der Inhalt sorgt für Schwierigkeiten, sondern die Brücke dazwischen.