Project Description

In Zeiten von Social Distancing und Homeoffice physisch getrennt, müssen wir umlernen. Gerade was die Kommunikation mit unseren Vorgesetzten, Kunden oder Kollegen betrifft, stehen Sie in Zeiten von endlosen Videokonferenzen nicht weniger, sondern mehr im Schaufenster als je zuvor. Um sich vor der Kamera in der eigenen Stube zu präsentieren, helfen die Erkenntnisse einer Plattform, wo das Äussere in Sekundenbruchteilen über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Auf Apps wie Tinder verkaufen sich Menschen von ihrer besten Seite und tun alles, um möglichst attraktiv zu wirken. Die folgende Checkliste soll ihnen helfen, sich selber und ihre Ideen beim nächsten Videocall ebenso überzeugend zu verkaufen, wie wenn sie den Partner fürs Leben suchen.

1. Lächeln wirkt nahbar

Wer lächelt, wird auf Tinder 14% häufiger nach rechts gewischt und damit als attraktiver bewertet. Das zeigt eine Studie der einstigen Tinder-Soziologin Jessica Carbino. Offenbar werden wir von den anderen Usern als netter und zugänglicher wahrgenommen. Damit bestätigt die Wissenschaft nur das, was der renommierte Kommunikationscoach Dale Carnegie schon 1936 in seinem Bestseller „How to win friends and influence people“ als einer der Erfolgsfaktoren für einen gelungenen Auftritt empfohlen hat. Ein Lächeln verschafft uns Sympathien beim Publikum, in einer Videokonferenz genauso wie offline.

Ein Lächeln macht aber nicht nur die Menschen rundherum glücklicher, sondern auch uns selber. Sage nicht ich, sondern der Effekt von Ursache und Wirkung und unzählige Forscher von New York bis Wales. Sogar ein gefälschtes Lächeln lässt uns Dopamin, ein Glückshormon ausschütten. Ausserdem soll Lächeln helfen den Stress zu reduzieren und den Blutdruck zu senken. Wenn es also im Homeoffice etwas chaotischer zu und hergeht, vor dem Videocall einmal tief durchatmen und dann lächeln, was das Zeug hält.

2. Offene Körperhaltung macht attraktiver

Kein Witz, auch das wurde wissenschaftlich untersucht. Menschen auf Datingplattformen werden attraktiver und dominanter bewertet, wenn diese auf einem Bild möglichst viel Platz einnehmen, indem sie eine offene Körperhaltung zeigen (Vacharkulksemsuk, Reit, Khambatta, Eastwick, Finkel & Carney, 2016). Personen, die mit offenen Armen posieren, haben fast doppelt so oft ein positiver Swipe kassiert, wie mit verschlossener Körperhaltung. Das gilt auch in der Videokonferenz. Eine offene Haltung signalisiert Gesprächsbereitschaft und lässt einen selbstbewusster wirken.

Aus Vacharkulksemsuk, Reit, Khambatta, Eastwick, Finkel & Carney, 2016

3. Distanz wahren

Social Distancing gilt auch in der Videokonferenz. Allerdings nicht wegen einem Virus, sondern wegen der Technik. Die Kameralinse verzerrt das eigene Gesicht, je näher man sich davor befindet. Das sieht nicht nur schnell unnatürlich aus, sondern schadet auch der Glaubwürdigkeit. Bryan, Perona und Adolphs (2012) konnten nachweisen, dass Gesichter die am Computer leicht verzerrt wurden, als weniger kompetent, vertrauenswürdig und attraktiv bewertet werden.

Aus Brian, Perona & Adolphs, 2012

Gerade wenn der Videocall auf dem Smartphone stattfindet empfiehlt es sich, das Telefon irgendwo abzustellen und es nicht wie bei einem Selfie in der Hand zu halten. Stellen sie es etwas weiter weg, so dass ihr Gesicht möglichst natürlich aussieht. Nicht nur in der Videokonferenz, sondern am Besten auch beim nächsten Selfie. – Ein solches ist nämlich, wenn man den Dating-Portalen glaubt, sowieso der Attraktivitätskiller schlechthin.

4. Schau mir in die Augen

Undenkbar, dass sie an einer wichtigen Sitzung mit Sonnenbrille aufkreuzen. Und auch auf Dating-Portalen sind Fotos, bei denen die Augen verdeckt sind ein No-Go. Sie minimieren laut der ehemaligen Tinder-Soziologin Jessica Carbino die Chancen auf einen Match um 15%. Wenig erstaunlich, denn wer seine Augen versteckt, der hat etwas zu verbergen. Gleiches gilt auch für Videokonferenzen. Nur machen die Tücken der Technik das oftmals etwas schwieriger. Ein paar einfache Fotografen-Tricks helfen dabei, dass ihr Gegenüber ihnen auch online in die Augen schauen kann:

  • Den Computer oder das Smartphone so aufstellen, dass sie das Gegenlicht im Gesicht und nicht im Rücken haben. Ein Fenster hinter ihnen lässt ihr Gesicht dunkel werden und ihre Augen verschwinden.
  • Ist kein Fenster in der Nähe, hilft eine Lampe, die ihr Gesicht deutlich ausleuchtet.
  • Achtung, die Lampe soll nicht zu hell sein. Allzu grelles Licht macht ihre Pupillen klein, das kratzt laut den Wissenschaftlern an ihrer Glaubwürdigkeit.
  • Grelles, weisses Licht (etwa von einem Kamerablitz) lässt sie ausserdem älter erscheinen, weil es harte Schatten wirft und die Konturen betont. Wenn es gar nicht anders geht hilft ein dünnes Blatt Papier vor der Nachttischlampe. Möglichst indirektes Licht verwenden.
  • Ausprobieren hilft! Finden Sie den perfekt ausgeleuchteten Platz in ihrer Wohnung.

5. Dress for Success

Klar putzen wir uns auch für die anderen raus – wir alle wissen: Kleider machen Leute. Die Forschung bestätigt, seriöse Kleidung lässt sie kompetenter wirken, erhöht die Chance, dass man sie ernst nimmt oder lässt sie sogar bessere Deals abschliessen. Gerade in einem Videocall könnte man aber so wunderbar schummeln. Oben hui – unten Trainerhose. Und doch gibt es gute Gründe, warum das keine gute Idee ist.

Die Art wie sie sich kleiden, beeinflusst auch ihre Art zu denken. Slepian, Ferber, Gold & Rutchick (2015) konnten in mehreren Experimenten zeigen, dass formelle Kleidung ein abstrakteres Denken fördert. Adam & Galinski (2012) weisen nach, dass das Tragen eines Labormantels die Aufmerksamkeit erhöht und die Versuchspersonen nur noch halb so viele Fehler machen, wie ohne Arbeitskleidung. Und schliesslich hat Professorin Karen Pine von der Universität in Hertfordshire ein ganzes Buch („Mind what you wear: The psychology of fashion„) darüber geschrieben, wie unsere Kleidung unser Selbstbewusstsein stärkt oder eben vernichtet. Gerade für den Online-Call putzen sie sich also nicht primär fürs Gegenüber heraus, sondern für sich selber.

6. Dein Bücherregal zählt

Sie sind die ultimativen Tinder-Trophäen: die Fotos vielgereister Menschen in fernen Ländern, das junge Hündchen mit auf dem Bild, das Surfbrett oder die Fotokamera. Jedes attraktive Foto zeigt nicht nur eine Person, sondern erzählt eine Geschichte. Je attraktiver das Accessoire, desto attraktiver auch die Person darauf. Gleiches gilt auch für das Bild, das ihre Kunden oder Kollegen von ihnen online sehen. Ein chaotisches Zimmer erzählt genauso eine Geschichte, wie ein eine sterile Wohnungseinrichtung oder das Souvenir vom letzten Mittagessen auf dem Pult. Suchen sie sich die Dinge, die im nächsten Videocall ihre Geschichte erzählen sollen sorgfältig aus. Ein wunderbares Beispiel einer sympathischen Geschichte kommt von einem BBC Experten.

Aber Achtung, es ist wie mit der Musik. Wir hören sie nicht mehr, wenn es zu viele Nebengeräusche gibt. Genau so wenig können sich ihre Kollegen auf ihre Inhalte konzentrieren, wenn es hinter ihnen zu viele Nebengeräusche gibt. Darum ist weniger mehr. Halten sie ihre wichtigen Meetings vor neutralem Hintergrund ab, achten Sie darauf, dass ihr Publikum nicht abgelenkt wird. Ein künstlich erzeugter Hintergrund, wie es ihn aktuell bei einigen Anbietern gibt empfinde ich persönlich eher als Notlösung und suboptimal, weil ich mich ständig frage wie es bei ihnen wohl wirklich aussieht.

7. Qualität gewinnt

Würden Sie ein unscharfes, dunkles Bild von sich auf eine Dating-Plattform laden? Wohl kaum. Aber dem Chef ihre besten Ideen aus der düsteren Stube vor einer uralten Webcam präsentieren – das dann schon? Klar sind es schwierige Zeiten und vielleicht hat ihr Chef sogar Verständnis für ein etwas unscharfes Bild. Wirklich überzeugend wirken Sie so aber sicherlich nicht. Qualitativ hochwertige Webcams sind heute keine grosse Investition. Aber eine, die sich bei regelmässigen Videocalls garantiert auszahlt.

Aus Transparenzgründen muss ich gestehen, dass ich zwar über viel Erfahrung verfüge, was den Auftritt vor der Kamera betrifft. Nicht aber wie Tinder oder andere Datingplattformen effektiv funktionieren. Ich habe die App bisher selber nie genutzt. Gerade weil das optische Auftreten da einer der zentralen Faktoren ist, sind die Studien zu diesem Thema reichhaltig vorhanden. Haben Sie andere Erfahrungen gemacht oder fehlen wichtige Tipps für den optisch perfekten Auftritt in einem Videocall? Dann melden Sie sich doch bei mir.

Photo: Photo by Alexander Sinn, Unsplash